9 Wochen in einer französischen Gastfamilie

Neun Wochen lang hatte Ayana aus der 9b die Gelegenheit, in einer französischen Gastfamilie in der Nähe von Marseille zu leben. Dabei lernte sie nicht nur den französischen Schulalltag und die Kultur kennen, sondern verbesserte auch ihre Sprachkenntnisse und knüpfte neue Freundschaften. In diesem Bericht erzählt sie von ihren Erfahrungen und Erlebnissen während des Austauschs.

Wie ich meine Gastfamilie gefunden habe

Das Deutsch-Französische Jugendwerk bietet auf seiner Website ein Kleinanzeigenportal für privat organisierte Schüleraustausche ab der 8. Klasse für Zeiträume von einer Woche bis zu sechs Monaten an. Auf der Website des Deutsch-Französischen Jugendwerks fand ich mich gut zurecht und schaute mir verschiedene Anzeigen an. Später gab ich selbst eine Anzeige auf und erhielt darauf viele Antworten. So kam ich mit verschiedenen Mädchen in Kontakt und überlegte, mit wem ich mich gut verstehen und mir einen Austausch vorstellen könnte. Schließlich beschlossen meine Austauschpartnerin und ich, den Austausch gemeinsam zu machen, da wir uns sehr gut verstanden und viele ähnliche Interessen hatten.

Ankunft und erste Eindrücke

Bei meiner Ankunft in Frankreich wurde ich von meiner Gastfamilie herzlich empfangen und fühlte mich sofort wohl. Ich bekam mein eigenes Zimmer und konnte mich zunächst einrichten und ausruhen. Noch am selben Tag fuhren wir zum Geburtstag eines Cousins meiner Austauschpartnerin. Obwohl ich von der Reise etwas müde war, gefiel es mir sehr gut. Auch dort wurde ich herzlich begrüßt und konnte mich direkt in das Familienleben integrieren. Es machte mir großen Spaß, mit den Kindern und Jugendlichen zu reden und zu spielen. Die Sprache bereitete mir dabei keine größeren Schwierigkeiten.

Mein Zuhause auf Zeit

Meine Gastfamilie wohnt in einem kleinen Ort mit etwa 8.000 Einwohnern in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur in der Nähe von Marseille. Das Haus verfügt über einen großen Garten und – wie fast alle Häuser in der Region – über einen eigenen Pool, da es dort im Sommer sehr heiß wird. Im Ort gibt es einen Sportplatz, einen Wald, in dem wir manchmal Fahrrad gefahren sind, sowie einige wenige Geschäfte im Zentrum.

Der Schulalltag in Frankreich

Während der Schulzeit standen wir immer um 6:15 Uhr auf und frühstückten eine Kleinigkeit. Die Schule befindet sich in einem Vorort von Aix-en-Provence und beginnt um 8:00 Uhr. Da wir mit dem Auto zwischen einer halben und dreiviertel Stunde zur Schule fahren mussten, fuhren wir bereits um 7:00 Uhr los. Zweimal pro Woche konnten wir bis 7:15 Uhr schlafen, weil der Unterricht erst um 9:00 Uhr begann. Der Schulweg war landschaftlich sehr schön.

Die Schule war mit etwa 1.600 Schülerinnen und Schülern im Vergleich zu meiner eigenen Schule sehr groß. Es gab mehrere Sporthallen für verschiedene Sportarten sowie einen großen Schulgarten. In der Eingangshalle stand sogar ein Klavier, was mir besonders gefiel, da ich selbst Klavier spiele.

Der Zugang zur Schule wurde kontrolliert, indem die Schülerinnen und Schüler ihr „Carnet de Correspondance“ vorzeigen mussten. Auch ich erhielt ein solches Heft. Die Schule, ein „Lycée“, umfasst die Klassenstufen 10 bis 12. Pro Jahrgang gibt es etwa 15 Klassen. Da die Franzosen einen anderen Einschulungsstichtag haben als wir in Deutschland, war meine Austauschpartnerin mit 15 Jahren bereits in der 10. Klasse, sodass ich eine höhere Klassenstufe als in Deutschland besuchte.

Viele Schülerinnen und Schüler besuchen den bilingualen Zweig und schließen ihre Schullaufbahn mit dem „Abi-Bac“, dem deutsch-französischen Abitur, ab. Das war auch der Grund dafür, dass nach und nach immer mehr Schülerinnen und Schüler für einen dreimonatigen Austausch nach Deutschland gingen. Am Ende waren wir nur noch fünf Mädchen in der Klasse, während es zu Beginn noch 32 Schülerinnen und Schüler gewesen waren.

Unterricht und neue Freundschaften

Im Unterricht konnte ich vieles verstehen, besonders in Deutsch 😉, Englisch und „Histoire-Géo“, das aufgrund des bilingualen Unterrichts auf Deutsch stattfand. Aber auch in Mathematik, Informatik und Biologie konnte ich meist gut mitarbeiten. Ausgerechnet in Französisch verstand ich nur wenig, und auch in Politik sowie Physik-Chemie fiel es mir schwer, dem Unterricht zu folgen.

Mittags aßen wir immer mit den Freundinnen meiner Austauschpartnerin in der Schulkantine. Auch von ihnen wurde ich sehr freundlich aufgenommen, und wir hatten viel Spaß zusammen. Dienstags hatten wir nur bis 12:00 Uhr Unterricht. Anschließend fuhren wir oft mit dem Bus nach Aix-en-Provence, gingen dort essen und bummelten noch durch die Stadt.

An den übrigen Tagen hatten wir bis zum späten Nachmittag Schule, sodass ich in der ersten Woche nach dem Unterricht oft sehr müde war. Mit der Zeit gewöhnte ich mich jedoch an die langen Schultage. Nach der Schule musste meine Austauschpartnerin meist noch Hausaufgaben erledigen. Wenn ich das Thema verstanden hatte, machten wir die Aufgaben gemeinsam. Ansonsten erledigte ich Schulaufgaben meiner Schule in Deutschland, ruhte mich aus oder las. Danach spielten wir häufig Spiele, malten oder spielten Basketball. Mit ihrem kleinen Bruder, der sehr nett war, spielte ich gelegentlich Fußball.

Freizeit und Hobbys

Da ich in meiner Freizeit Handball spiele, konnte ich sogar jeden Dienstag am Handballtraining teilnehmen. Donnerstags war das wegen der langen Schulzeit leider nicht möglich. Die Mädchen in der Mannschaft waren sehr freundlich und halfen mir dabei, alles zu verstehen. Handball spielte in der Gastfamilie ohnehin eine große Rolle, da sowohl der Bruder als auch der Vater Handball spielen. Meine Austauschpartnerin hatte dreimal pro Woche Tanztraining und manchmal am Wochenende Auftritte, bei denen ich gelegentlich zuschauen konnte.

Ausflüge und Ferien

An den Wochenenden und während der Osterferien unternahmen wir mit der Familie viele Ausflüge, besichtigten Städte, machten Wanderungen und besuchten Verwandte. Das mediterrane Klima gefiel mir sehr, und wir waren sogar am Strand und im Meer schwimmen. Besonders schön war es in Cannes, wo wir gemeinsam mit der gesamten Tanzgruppe meiner Austauschpartnerin und deren Familien auf einem Campingplatz übernachteten, da dort ein Tanzwettbewerb stattfand. Außerdem trafen wir uns mit ihren Freundinnen, machten kleine Fahrradtouren und schauten oft bei den Handballspielen ihres kleinen Bruders zu, was immer sehr spannend war.

Sprache und Kultur

Während meines Aufenthalts konnte ich mein Französisch deutlich verbessern und große Fortschritte machen. Ich verstand schließlich fast alles und lernte viele neue französische Ausdrücke kennen. Die Familie erklärte mir außerdem, dass die Menschen in der Region um Marseille einen besonderen französischen Dialekt sprechen und einige Wörter anders betonen, als ich es aus dem Französischunterricht gewohnt war.

Ich konnte auch einige kulturelle Unterschiede feststellen. So nehmen die Franzosen vor dem Abendessen häufig ein kleines „Apéro“ (Aperitif) zu sich. Außerdem essen sie nach dem Mittag- und Abendessen oft noch Käse, und es gab immer ein Dessert. Sowohl das Mittag- als auch das Abendessen werden warm zubereitet, sodass es täglich zwei warme Mahlzeiten gibt. Darüber hinaus probierte ich viele französische Spezialitäten wie Tropézienne, Brioche, Macarons, Baiser, Navettes und Calissons.

Der Führerschein beziehungsweise das begleitete Fahren ist in Frankreich bereits ab 15 Jahren möglich, sodass meine Austauschpartnerin schon eine Fahrschule besuchte.

Mein Fazit

Insgesamt hat mir der Austausch sehr gut gefallen. Besonders schön fand ich die täglichen gemeinsamen Abendessen mit der Familie, bei denen wir uns viel unterhalten haben. Der Austausch war eine großartige und spannende Lebenserfahrung, zu der ich andere gerne ermutigen möchte. Ich selbst bin dadurch mutiger und selbstbewusster geworden.

Von Mitte Mai bis zu den Sommerferien kommt meine Austauschpartnerin nun zu mir, worauf ich mich sehr freue, da wir sehr gute Freundinnen geworden sind.

Was würde ich anders machen?

Ich würde für einen noch längeren Zeitraum in Frankreich bleiben!

Wenn ihr Fragen habt, sprecht mich gerne an.

Ein Beitrag von Ayana Z. (9b)